messerDAS MESSER DER JAHRE
Erzählungen
Geb. 279 S.
Wolfbach Verlag Zürich 2007
ISBN 3-952 3057-5-8

 

 

Serge Ehrensperger zu seinen Erzählungen

Das Messer der Jahre, Flamengo und andere Erzählungen erschienen in der Frauenzeitschrift „annabelle“, die sie dem berühmt-berüchtigten Verfasser des Romans Prinzessin in Formalin abverlangte. Sie zeigen den völlig veränderten Zustand des Autors dieses „obszönsten Buchs der deutschen Sprache“, als er am Lehrerseminar Küsnacht inkognito sein Brot zu verdienen versuchte.
Ich floh nach Hamburg, gelockt von einer 19jährigen Elbnixe, in deren Umarmungen ich mich nicht richtig geborgen fühlte (Flamengo). So entkam ich einer literarisch versierten (Cap d’Antibes), edel-stein-reichen und tischsittenstrengen deutschen Bankiersgattin, deren Zuchtrute (Ein Fall von Hexerei) mich in helle Verzweiflung getrieben hatte.
Zehn Jahre später sollte ich als Kritiker beim Schweizer Radio Vladimir Nabokovs Ada oder Das Verlangen rezensieren. Das Buch faszinierte – und enervierte – mich so sehr, daß ich mit meiner Tösstaler Herkunft den russischen Grafen und Baronen paroli zu bieten versuchte. Die Vorfahren des Baron de Staël (Tösstal) lautet der ironische Titel.
Der Sultan vom Greifensee, aus einem Romanfragment, wo sich zwei unglücklich Verliebte mit erotischen Märchen trösten, diente der Erheiterung eines Gottfried-Keller-Jubiläums. Die Puppe Democracia liest sich heute als ein nostalgischer Nachklang aus den letzten Jahren der Franco-Diktatur. Sie gehört zu den Schloßbesichtigungen mit Frauenmorden und steuert symbolisch auf eine politische Lösung zu.
Petardenstrategie beschreibt die erste Begegnung mit Erwin Barth von Wehrenalp, dem abenteuerlichen Econ-Verleger, der mich zum Buchautor machte. Prinzessin in Formalin war der erste Roman, den er herausbrachte, im neuerworbenen Claassen Verlag, und das Treffen im Zürcher Hotel Baur au Lac ist entsprechend dem Buch, um das es ging, mit einigem erotischen Schnickschnack garniert.
Die Burleske Durch das Brandenburger Tor ist eine Neufassung des Aperçus Die Ornithologen.

Baron de Stahl aus dem Tösstal

Zwei der Erzählungen im neuen Band Das Messer der Jahre handeln in Winterthur. Die eine in der Männerloge „Zur Geduld“, wo der Autor sich mit Schulkollegen trifft und in ihren „teichoskopischen“ Erinnerungen ein stadtbekannter Deutschlehrer, der „Schnuller“ aus Travemünde, wieder aufersteht.
Die zweite Erzählung heißt „Die Vorfahren des Baron de Stahl“ und spielt in den Hungerjahren der Spinnereiarbeiter von Töss zu Anfang des letzten Jahrhunderts, wo der Grossvater des Autors 60 Jahre Spinner war.